Audi enthüllt den e-tron in San Francisco

Vor ein paar Stunden hat Audi das Serienmodell des e-tron in San Francisco vorgestellt. Die geladenen Gäste erhielten ein durchdachtes Elektrofahrzeug zu sehen. Mit dem e-tron fährt nun ein zweiter Deutscher Automobilhersteller mit einem Elektrofahrzeug im Premium-SUV Bereich vor. Mercedes Benz hat den EQC vor ein paar Wochen in Stockholm präsentiert, und BMW verkündet mit dem Vision iNEXT und dem iX3 die nächste Stufe der Elektrofahrzeuge aus Bayern. An dieser Stelle sei auch der schon lieferbare Jaguar iPace erwähnt, der ebenfalls im gleichen Marktsegment mitspielen will. Die Botschaft der europäischen Hersteller scheint klar zu sein. Die Lücke zu Tesla soll mit den neuen Produkten sukzessive geschlossen werden. Auffallend ist allerdings auch, dass sich die hiesigen Hersteller damit schwieriger tun als ihnen lieb sein wird. Den Vorsprung von Tesla einzuholen stellt sich als eine nicht zu verachtende Knacknuss heraus.

Audi e-tron
Audi e-tron, © Audi

Anders als der EQC von Mercedes ist der e-tron eine vollständige Eigenentwicklung und baut nicht auf eine Verbrenner-Plattform auf. Ein so von Grund auf als Elektrofahrzeug entwickeltes Produkt hat eine wesentlich bessere Ausgangslage für ein erfolgreiches Elektrofahrzeug. Die ersten Angaben auf dem Datenblatt unterstreichen dies auch. Der e-tron platziert sich mit einer Länge von 4.9 Meter und einer Breite von 1.94 Meter zwischen Q5 und Q7 und stemmt damit fast die gleichen Masse wie ein Tesla Model X auf den Asphalt. Im Gegensatz zu einem Tesla Model X mit seinen 7 Sitzplätzen, bietet der e-tron jedoch nur Platz für 5 Passagiere. Das Design des e-tron orientiert sich wie auch bei Jaguar und Mercedes vorwiegend an das Design der Verbrennerfahrzeuge. Eine wiedererkennende Designsprache war den Entwicklern demnach mehr wert als ein auf Luftwiderstand optimiertes Fahrzeug. So ist auch der e-tron dank dem mächtigen Singeframe-Grill klar als Audi zu erkennen. Ein echter Fahrzeuggrill ist dies wohlgemerkt nicht, denn die Streben sind grösstenteils geschlossen. Das Heck ziert ein durchgehendes Leuchtband, dass wir mittlerweile auch von anderen Audi-Modellen oder anderen Marken wie Porsche kennen. Um den Fauxpas beim Luftwiderstand der Front wieder wett zu machen, hat Audi tief in die Trickkiste gegriffen und präsentiert den e-tron mit kleinen Kameras anstelle klassischer Aussenspiegel oder mit einer aktiven Aerodynamik, die je nach Fahrsituation die Kühlluft mit Klappen automatisch regelt. All dieser Aufwand zeichnet sich in einem CW-Wert von 0.27 wieder. Im Vergleich dazu kommt ein Tesla Model X auf einen sehr guten CW-Wert von 0.25 und Jaguar bringt den CW-Wert vom iPace lediglich auf 0.29.

Audi e-tron
Audi e-tron Innenraum, © Audi

Im Innenraum finden sich viele Elemente aus A8 und Q8. Dazu gehört beispielsweise das «MMI touch response» System mit den zwei Bildschirmen. Wenn der e-tron mit Kameras anstelle klassischen Aussenspiegel bestellt wird, respektive je nach Land bestellt werden darf, finden sich auf der rechten und linken Türtafel jeweils ein Display, das das Bild nach hinten zeigt. Das Raumangebot soll gemäss Audi grosszügig ausfallen. Dazu zählt dann auch ein Kofferraum mit einem Volumen von 660 Liter – 60 Liter davon im vorderen Kofferraum unter der Motorhaube. Zur weiteren Ausstattung gehören eine Wärmepumpe die ebenfalls die Abwärme der elektrischen Bauteile nutzen kann, eine Luftfederung mit adaptiven Dämpfern oder ein optionales Head-up Display, dass die Informationen direkt auf die Windschutzscheibe projiziert.

Audi e-tron – mit 300 kW in 5.7 Sek auf 100 km/h und über 400 km weit

Audi e-tron
Audi e-tron, © Audi

Für den Antrieb sorgen zwei eigens von Audi produzierte Elektromotoren mit einer Leistung von insgesamt 300 kW und einem Drehmoment von 664 Nm. Die E-Maschine an der Hinterachse liefert 165 kW und die an der Vorderachse 135 kW. So bestückt beschleunigt der e-tron im Sportmodus in 5.7 Sekunden auf 100 km/h. Im Komfortmodus wird die Leistung auf 265 kW gedrosselt und die Insassen werden dann in 6.6 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt. Bei 200 km/h wird der e-tron elektronisch begrenzt. Für die Fortbewegung kommt vorwiegend der Heckmotor zum Einsatz. Nur bei erhöhter Leistungseinforderung oder im quattro Betrieb wird der Frontmotor zur Hilfe genommen. Für die nötige Energie sorgt eine flüssigkeitsgekühlte Lithium-Batterie bestehend aus 36 Modulen mit je 12 Pouch-Zellen. Die Kapazität beträgt 95 kWh wovon jedoch nur 83.6 kWh genutzt werden können. Die 700 Kilogramm schwere Batterie findet seinen Platz wie bei Elektrofahrzeugen üblich unter der Passagierzelle zwischen den beiden Achsen. Mit einer Ladung verspricht Audi eine Reichweite von 400 Kilometer – bereits nach dem neuen WLTP Testzyklus, wobei die Homologation noch aussteht. Besonders stolz ist Audi auf die Rekuperationsleistung des e-tron, die in drei Stufen am Lenkrad eingestellt werden kann. In der stärksten Einstellung kann der e-tron bis 0.3 g rekuperieren und liefert beispielsweise bei einer Bremsung aus 100 km/h eine Leistung von 220 kW zur Aufladung der Batterie.

Geladen wird per AC bis 22 kW oder DC bis 150 kW

Audi e-tron
Audi e-tron, © Audi

Geladen werden kann der e-tron serienmässig an einer 3-pühasigen Wechselstromsteckdose mit bis zu 11 kW (Typ 2) in 7.6 Stunden. Optional kann ein stärkeres Ladegerät mit bis zu 22 kW bestellt werden und reduziert die Ladezeit auf 3.8 Stunden. An einer CCS Gleichstrom-Schnellladesäule kann die Batterie mit bis zu 150 kW in 30 Minuten zu 80% geladen werden. Im Vergleich zu Tesla bietet Audi seinen Kunden kein eigenes Schnellladenetz. Um den Kunden das Laden dennoch zu vereinfachen, bieten die Ingolstädter einen speziellen Ladedienst an. Mit dem Ladedienst sollen Audi Besitzer einst 80% der öffentlichen Ladestationen in Europa einfach und problemlos ansteuern können, denn die Abrechnung an den Ladesäulen erfolgt zentral – ohne grosses Wirrwarr mit Betreiberkarten. Zum Marktstart stehen rund 72’000 Ladepunkte in 16 EU-Ländern parat.

Die Preise beginnen ab 79’900 Euro

Die ersten Adui e-tron werden noch dieses Jahr ausgeliefert. Die Preise starten bei 79’900 Euro. Für die Vorreservierer gibt es ein auf 2’600 Exemplare limitiertes Sondermodell „e-tron edition one“ in Antiguablau mit 21-Zoll-Felgen, Kamera-Außenspiegeln, Matrix-LED-Scheinwerfern, dem Assistenzpaket Tour, Sportsitzen sowie B&O-Soundsystem. In der Schweiz werden die ersten Fahrzeuge im Januar 2019 ausgeliefert. Wir rechnen mit einem Verkaufspreis von knapp unter CHF 90’000.-.

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