Faktencheck: e-tron, EQC, I-Pace und Model X im Vergleich

Seit Mercedes vor ein paar Wochen den EQC und Audi vor Kurzem den e-tron der Öffentlichkeit präsentiert haben, lohnt es sich die beiden neuen Premium-Elektro-SUV einem ersten Vergleich zu unterziehen. Neben den zwei Newcomern holen wir noch den Jaguar I-Pace und das Tesla Model X für einen ersten Schlagabtausch in den Ring. Die Kontrahenten treten in einem ersten Faktencheck an.

Erste Runde – Abmessungen und Gewicht

Audi e-tron
Audi e-tron, © Audi

Zugegeben. Leichtfüssig ist keiner der Edel-SUV unterwegs. Alle vier Kontrahenten wiegen weit über 2 Tonnen – Mercedes und Tesla kratzen sogar an der 2.5 Tonnen Marke. Und stattliche Erscheinungen bieten sie alle. Nur der I-Pace, der im Vergleich Kleinste der Runde, bietet seinem Fahrer in den engen europäischen Parkhäusern am meisten Freiraum. Dafür ist sein Innenraum auch der engste. Bei Platzangebot und Raumgefühl kann Tesla mit dem Model X die meisten Punkte in diesem Kapitel abstauben. Als Einziger bietet er optional eine dritte Sitzreihe und kann als 5, 6 oder 7-Sitzer bestellt werden. Mit seiner einzigartigen Panorama Windschutzscheibe bringt er darüber hinaus nicht nur viel Licht in den Innenraum, sondern lässt den Blick von Fahrer und Beifahrer auch weit nach oben schweifen. Weit nach oben ragen auch die Flügeltüren vom Model X, die beim Öffnen dank zahlreicher Sensoren jedoch nie den Kontakt mit Wänden oder Decken suchen. Voll zur Geltung kommen die Falconwings genannten Flügeltüren beim Ein- oder Aussteigen in die zweite oder dritte Sitzreihe sowie beim Anschnallen von Kindern. Auch in Punkto Kofferraumvolumen bietet das Model X den meisten Nutzwert. Neben einem sehr grossen Kofferraum mit einem zusätzlichen Fach unter dem Kofferraumboden, findet sich beim Model X ein weiteres grosses Kofferraumfach unter der Motorhaube – bei Tesla auch Frunk genannt. I-Pace und e-tron bieten ebenfalls ein wenn auch kleineres Kofferraumfach unter der Motorhaube. Nur beim EQC ist die Bezeichnung Motorhaube noch wörtlich zu nehmen. Unter seiner Klappe finden sich nur Elektromotor und Nebenaggregate – versteckt unter einer riesigen Plastikabdeckung.

Die erste Runde geht somit klar nach Kalifornien.

Zweite Runde – Fahrleistungen und Reichweite

Jaguar I-Pace
Jaguar I-Pace, © Jaguar

Ein Elektromotor liefert nicht nur die volle Leistung ab der ersten Umdrehung, sondern liefert auch noch ein sehr hohes Drehmoment. Alle 4 SUV besitzen nicht nur einen sondern deren zwei E-Motoren. Einer treibt dabei die Vorderachse und der andere die Hinterachse an. So bestückt bringen es die Dickschiffe auf Fahrleistungen, die vor noch nicht allzu langer Zeit nur den Sportwagen vorenthalten waren. Beschleunigungswerte von rund 5 Sekunden auf Tempo 100 bieten sie alle. Jaguar und Tesla unterbieten die 5 Sekunden Marke auch noch. Mit dem Model X P100D bietet Tesla zusätzlich das weltweit schnellste SUV an. In nur gerade mal 3.1 Sekunden werden 2.5 Tonnen auf 100 km/h katapultiert. Tesla nennt dies auch Ludicrous Speed. Bei der Höchstgeschwindigkeit werden die Elektrofahrzeuge elektronisch begrenzt um die Batterien nicht mit übermässigem Elektronendurst zu leeren. Auf Deutschen Autobahnen muss der EQC bereits bei 180 km/h klein beigeben. E-tron und I-Pace stossen bei 200 km/h in den elektronisch geregelten Begrenzer. Im Model X beschleunigen Tesla Kunden noch munter weiter – im P100D sogar noch bis 250 km/h.

Bei gemächlicherem Tempo versprechen die beiden Deutschen Hersteller Reichweiten von rund 400 Kilometer. Bei Jaguar sollen es unter guten Bedingungen sogar 470 Kilometer sein. Alle Angaben gemäss neuem WLTP Testzyklus. Bei Tesla ist die Reichweite abhängig von der gewählten Batteriegrösse. Im Model X 75D sollen bis 383 Kilometer möglich sein. Im X100D bis 475 Kilometer. Die Reichweitenangaben bei Tesla liegen nur gemäss amerikanischem EPA Testverfahren vor. In der Realität ist bei allen 4 Fahrzeugen mit weniger Reichweite zu rechnen. Beim Model X 75D haben wir mal nachgemessen.

Die zweite Runde geht knapp nach Grossbritanien. Auf dem Papier liefert der I-Pace mit Ausnahme vom doppelt so teurem Model X P100D die besten Fahrleistungen. Ehrlicherweise muss jedoch erwähnt werden, dass dieser Vorsprung wohl auch zu einem erheblichen Teil an dem um einigen hundert Kilogramm tieferen Leergewicht in Kombination mit grosser Batterie zu verdanken ist.

Dritte Runde – Batterie und Aufladen

Mercedes-Benz EQC 400 4MATIC, © Mercedes Benz

Alle 4 Kandidaten sind mit üppigen Batterien ausgerüstet. Die kleinsten Batterien finden sich im Model X 75D (75 kWh) und im EQC 80 kWh. Im Mittelfeld landen I-Pace mit 90 kWh und e-tron mit 95 kWh. Den Spitzenplatz belegt das Model X 100D mit einer Batteriekapazität von 100 kWh. Die Batteriegrösse ist jedoch nicht alles. Um in der Realität hohe Reichweiten zu erzielen ist der Stromverbrauch entscheidend. Und auf längeren Reisen sind darüberhinaus die Auflademöglichkeiten sowie die Ladegeschwindigkeiten zentral. Der Stromverbrauch wird hauptsächlich vom Luftwiderstand bestimmt. Und dieser steigt nicht nur mit höherem Tempo an, sondern wird auch vom CW-Wert und der damit verbundenen Stirnfäche des Auto bestimmt. Salopp gesagt: Je glatter die Konturen, je tropfenförmiger das Design und je kleiner die Stirnfläche, desto kleiner fällt auch der Verbrauch aus. An dieser Stelle hat Tesla einen sehr guten Job gemacht und einen für ein SUV beachtlichen CW-Wert von nur 0.24 erreicht. Bei Jaguar dagegen stand das Design und das Markengesicht im Vordergrund. Scharfe Kanten, ein üppiger Grill und ein zerklüftetes Design sprechen eine klare Sprache und drücken sich in einem CW-Wert von nur 0.29 aus. Ein entsprechend hoher Verbrauch wird daraus resultieren. Erste Testfahrten im Internet scheinen dies auch zu bestätigen. Wir gehen davon aus, dass in Anbetracht des Designs und der erreichten CW-Werte die Realität bei Audi und Mercedes auch eine andere Sprache sprechen wird. Zukünftige Tests werden darüber Aufschluss geben.

Eine leere Batterie möchte oftmals schnell mit neuer Energie gefüllt werden. Entscheidend dafür sind unter anderem die Ladeleistungen der im Fahrzeug verbauten Komponenten. Zu Hause sind es die Leistungen der verbauten Wechselstromladegeräte, und unterwegs sind es die  Gleichstromladeleistungen. Auf dem Papier liefert Audi an dieser Stelle die bisher besten Werte. Laden per Wechselstrom ist mit bis zu 22 kW möglich, und an einer entsprechend ausgerüsteten CCS Schnellladesäule sind bis zu 150 kW möglich. Daneben sind auch die Ladeleistungen bei Tesla sehr ordentlich. 16.5 kW per Wechselstrom und bis zu 125 kW an der Supercharger Schnellladesäule. Mercedes und insbesondere Jaguar enttäuschen in diesem überaus wichtigen Kapitel. Bei den Gelichstromladeleistungen können sie mit rund 100 kW zwar noch gut mithalten, bei einem Ladevorgang an der heimischen Wallbox sind Werte von 7.4 kW respektive 7 kW bei Jaguar ernüchtern. Bei Jaguar kommt erschwerend hinzu, dass die 7 kW nur einphasig bei 230 Volt und mit 32 Ampere vorliegen. In der Schweiz sind in der Regel bei 230 Volt nur 16 Ampere üblich. So ausgerüstet reduziert sich die Ladeleistung auf 4.6 kW. Aus dem „abends mit leerer Batterie zu Hause ankommen und am nächsten Morgen mit voller 90 kW Batterie wieder losfahren“ wird dann nichts.

Neben den Ladeleistungen ist auch wie bereits erwähnt ein voll ausgebautes Schnellladenetz unerlässlich. Tesla hat diese Wichtigkeit bereits zu Beginn erkannt und mittlerweile in Europa ein flächendeckendes Schnellladenetz aus unzähligen sogenannten Superchargern hochgezogen, dass von den meisten Tesla Kunden bis anhin auch kostenlos genutzt werden kann. Über ein ähnliches Ladenetz verfügen die drei anderen Herstellern nicht. Nur Audi verspricht mit dem Markteintritt des e-tron einen eigenen Ladedienst parat zu haben, mit welchen die Kunden Zugang zu etwa 80% der öffentlichen Ladesäulen erhalten. Ohne den Besitz der unterschiedlichen Zahlkarten und Apps können die e-tron Besitzer dann bequem über eine zentrale Zahlstelle den bezogenen Strom abrechnen.

Die dritte Runde geht wieder klar nach Freemont. Zwei Batteriegrössen mit guten Ladeleistungen und einem von anderen Anbietern bis dato unerreichten Supercharger-Netz sind nach wie vor das Mass der Dinge.

Finale Runde – Preis und Fazit

Tesla Model X
Tesla Model X, © Tesla

Und was kostet die elektrische Premium Welt? Ein Schnäppchen sind die Edel-SUV gewiss nicht, denn unter CHF 80’000.- gibt es nichts zu holen. Am günstigsten scheint auf den ersten Blick der Jaguar I-PACE zu sein. Doch Vorsicht! Für die aufgerufenen CHF 82’800.- sind viele der bei Tesla bereits in der Serienausstattung enthaltenen Features noch nicht enthalten. Die Schweizer Preise für e-tron und EQC sind noch nicht bekannt. Wir vermuten, dass sich die Einstiegspreise leicht unter denen des Model X 75D bewegen werden. In Anbetracht der happigen Aufpreispolitik der Deutschen Herstellern werden sie vermutlich ausstattungsbereinigt deutlich über dem Preis eines Model X zu liegen kommen.

In der Summe steigt Tesla mit dem Model X aus unserer Sicht weiterhin klar als Gewinner aus dem Ring. Mercedes und Jaguar bereichern mit ihren Produkten das Angebot an elektrischen Edel-SUV auf jeden Fall, können dem Platzhirschen aber das Wasser noch nicht reichen. Audi platziert sich mit dem e-tron an zweiter Stelle und liefert mit ihrem Produkt ein durchwegs durchdachtes und gut konzipiertes Elektrofahrzeug. Wie sich der e-tron auf der Strasse schlagen wird, und wie weit er sich dem Model X in der Realität auch nähern kann, wird sich noch zeigen müssen.

Der Faktencheck

 Audi e-tronMercedes EQC 400 4MATICJaguar I-Pace EV400Tesla Model X 75D, 100D, P100D
Abmessungen (LxHxB)4.90 x 1.61 x 1.934.76 x 1.62 x 1.884.68 x 1.56 x 2.015.03 x 1.68 x 1.99
Gewicht in kgn. A.2'4252'2082'391 - 2'441
Kofferraumvolumen660 Liter500 Liter656 Liter745 Liter
cw-Wert0.27n. A.0.290.24
Sitzplätze5555 bis 7
Batterie95 kWh80 kWh90 kWh75 kWh, 100 kWh
Stromverbrauch pro 100kmn. A.22.2 kWh21.2 kWh20.8 bis 22.6 kWh
Reichweite 400 km (WLTP)400 km (WLTP)470 km (WLTP)383 km bis 475 km (EPA)
Beschleunigung 0-100 km/h5.7 Sek.5.1 Sek.4.8 Sek.5.2 Sek. bis 3.1 Sek
Höchstgeschwindigkeit200 km/h180 km/h200 km/h210 km/h bis 250 km/h
Leistung300 kW300 kW294 kW245 kW bis 568 kW
Drehmoment664 Nm765 Nm696 Nm525 bis 970 Nm
Motoren2x2x2x2x
LadeleistungAC: bis 22 kW
DC: bis 150 kW
AC: bis 7.4 kW
DC: bis 110 kW
AC: bis 7 kW
DC: bis 100 kW
AC: bis 16.5 kW
DC: bis 125 kW
LadezeitDC: 30 Min. bis 80%DC: 40 Min. bis 80%DC: 45 Min. bis 80%DC: 30 Min. 80%
Ladenetzeigener Ladedienst mit Zugang zu 80% des öffentlichen Ladenetzes, eigene Abrechnungöffentliches Ladenetzöffentliches Ladenetzeigenes Supercharger Netz
Preis in CHFab ca. 89'000.-ab ca. 85'000.-ab 82'800.-ab 89'500.-
VerfügbarkeitReservation möglich,
erste Auslieferungen ab Ende 2018
ab Mitte 2019Bestellung möglich, erste Auslieferungen im 2ten Halbjahr 2018bereits verfügbar

 

Ebenfalls lesenswert

Beitrag teilen

Schreiben Sie einen Kommentar