Hyundai Kona electric – adieu Reichweitenangst

Hyundai bietet mit dem neuen Kona electric bereits ein zweites voll elektrisches Fahrzeug an. Wir haben bereits darüber berichtet. Die Botschaft der südkoreanischen Hyundai Kia Motor Group ist damit unmissverständlich und peilt klar auf einen mittel- bis langfristigen Ausbau der kompletten Fahrzeugflotte mit elektrifizierten Antrieben. Neben Kona electric und Ioniq electric bietet Hyundai auch den mit einer Brennstoffzelle ausgestatteten ix35 als reine Elektroversionen an. Mit dem Nexo steht bereits der Nachfolger des ix35 in den Startlöchern. Auch bei Kia stehen weitere Modelle vor der im nächsten Jahr bevorstehenden Markteinführung. Der Soul EV, das aktuell einzige vollelektrische Fahrzeug von Kia, erhält neben einer deutlichen Reichweitensteigerung mit dem Niro auch eine elektrische Alternative zur Seite. Auch das Angebot an Plug-In-Hybrid-Fahrzeugen mit Optima Sportswagon und Niro wird Kia mit neuen Plug-In-Varianten von Ceed, Sportage und Sorento in den kommenden zwei Jahren erweitern. In diesem Artikel wird ein vertiefter Blick auf den neuen Hyundai Kona electric geworfen.

Abmessungen und Innenraum

Hyundai Kona electric Innenraum
Hyundai Kona electric Innenraum, © Hyundai

Der Hyundai Kona electric ist ein klassisches Produkt im Bereich der kompakten SUV. Mit einer Länge von 4.18 Meter und einer Breite von 1.80 Meter stellt dieser Stadt-SUV dem Fahrer keine Probleme bei der Parkplatzsuche. Und mit einer Höhe von 1.57 Meter und der leicht erhöhten Sitzposition fällt auch die in dieser Fahrzeugkategorie beliebten Übersicht über den Verkehr an. Das Patzangebot in der ersten Reihe ist überaus grosszügig und vermittelt ein luftiges Fahrgefühl. Die Platzverhältnisse auf der Rücksitzbank sind für diese Klasse akzeptabel, wenn auch nicht besonders üppig. Abstriche müssen beim Gepäckabteil gemacht werden. Mit einem Kofferraumvolumen von 332 Liter eignet sich der Kona weder für einen Familienurlaub noch für grosse Shoppingtouren. Bei umgeklappter Rücksitzbank vereinfacht die ebene Ladefläche zwar das Beladen, mit einem Kofferraumvolumen von 1114 Litern müssen dann aber grössere Pakete des schwedischen Möbelhauses dennoch draussen bleiben.

Hyundai Kona electric Innenraum
Hyundai Kona electric Cockpit, © Hyundai

Im Cockpit haben die analogen Zeigern beim Kona ausgedient. Der Fahrer blickt dafür auf digitale Instrumente des 7 Zoll grossen LCD Displays oder alternativ auf das optionale Head-Up-Display. Ein weiteres 8 Zoll grosses Touchscreen-Display thront über der Mittelkonsole und ermöglicht den Zugriff auf diverse Fahrzeugeinstellungen, Navigation, Medien und vieles mehr. Unterhalb des Bildschirms findet sich die einfach zu bedienende Klimabedieneinheit. In der Mittelkonsole finden sich vier grosse Schalter für die Fahrstufen (P-N-D-R), ein Schalter für die elektrische Parkbremse sowie die Tasten für Sitzheizung/-lüftung, Lenkradheizung und Fahrmodi. Das kleine Lederlenkrad besitzt diverse Schalter zur Bedienung von Medien, Bordcomputer, Telefon oder den Tempomaten. Zur Einstellung der Rekuperationsstärke findet der Fahrer am Lenkrad zwei Schaltpaddels. Insgesamt stehen fünf Rekuperationsstufen zur Einstellung der Bremsenergierückgewinnung zur Verfügung. Mit der höchsten Einstellung bremst der Kona bis zum Stillstand. Mit der niedrigsten Stufe erfolgt keine Rekuperation und das Auto gleitet nach Loslassen des Fahrpedals munter weiter.
Die letzten Schalter finden sich auf der Türinnenverkleidung für die Bedienung der elektrischen Fensterheber, für die Einstellung der Seitenspiegel und die Zentralverriegelung. Die Tasten für die diversen Assistenzsystemen wie den Spurhalteassistenten oder den Totwinkelwarner finden sich auf der linken Seite unterhalb der Lüftungsdüse.

Fahrleistungen und technische Daten

Hyundai Kona electric
Hyundai Kona electric, © Hyundai

Angetrieben wird der Kona electric von einem Permanentmagnet-Synchronelektromotor der seine Leistung von 150 Kilowatt (204 PS) und sein maximales Drehmoment von 395 Nm an die Vorderräder abgibt. Mit einem solch starken Elektromotor sind durchwegs sportliche Fahrleistungen möglich. In unter 7.6 Sekunden beschleunigt das Stadt-SUV auf Tempo 100. Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 167 km/h wird der elektronische Anker ausgeworfen. Für die nötige Energie haben die Ingenieure eine 64 kWh grosse Lithium-Ionen-Polymer Batterie im Unterboden verbaut. Dank eines niedrigen Energieverbrauchs von nur 14.3 kWh pro 100 Kilometer sind gemäss Hyundai und nach neuem WLTP Testverfahren Reichweiten von 482 Kilometer möglich. In einem Fahrversuch von Autobild.de hat der Testredakteur Jan Tietjen sogar eine Reichweite von 613 Kilometer erreicht. Natürlich unter Idealbedingungen, ohne den Gebrauch von nennenswerten Verbrauchern wie der Klimaanlage, mit dem nötigen zaghaften Fahrfuss und mit maximal 100 km/h auf der Autobahn. Unter normalen Bedingungen und mit einer weniger zaghaften Fahrweise sind dennoch Reichweiten von 350 bis 400 Kilometer möglich. Ist die Batterie leer gefahren kann sie an einer CCS Schnellladesäule mit einer Leistung von 100 kW in 54 Minuten zu 80 % wieder aufgeladen werden. An einer Typ2 Wallbox mit einer Leistung von 7.2 kW ist die Batterie in rund 9.3 Stunden wieder komplett geladen. Hyundai gewährt eine Werksgarantie von 5 Jahren ohne Kilometerbegrenzung auf das Fahrzeug und den Antrieb. Die Werksgarantie für die Hochvoltbatterie beträgt 8 Jahre oder eine Laufleistung von 200’000 Km.

Ausstattung und Farben

Hyundai Kona electric
Hyundai Kona electric, © Hyundai

In der Schweiz wird der Kona electric in zwei Ausstattungsvarianten angeboten. Für CHF 44’990.- erhält der Kunde einen Kona electric in der Ausstattungsvariante Amplia mit bereits vielen Annehmlichkeiten wie beispielsweise Klimaautomatik, adaptiver Tempomat, Spurhalteassistent, Notbremsassistent, Lichtautomatik, Regensensor, Keyless-Entry, Sitzheizung vorne, Teil-Ledersitze, Rückfahrkamera und Einparkhilfe hinten, 7 Zoll Audiodisplay mit DAB+ und Android Auto/Apple CarPlay, Bluetooth-Anbindung und eine kabellose Ladefunktion für Handys. Optional kann eine der sechs Metallicfarben für CHF 750.- gewählt werden.
Für einen Aufpreis von CHF 4’910.- oder insgesamt CHF 49’900.- fährt der Kona in der Ausstattungsvariante Vertex vor. So ausgerüstet halten noch viele weitere Annehmlichkeiten Einzug. Unter anderem gehören dann ein Fernlichtassistent, Bi-LED-Scheinwerfer mit Kurvenlicht, Verkehrszeichenerkennung, Totwinkelassistent, Head-up-Display, Wärmepumpe, elektrisch einklappbare Aussenspiegel, beheizbares Lederlenkrad, elektrisch verstellbarer Fahrer- und Beifahrersitz, Ledersitze mit Sitzheizung und Sitzlüftung, Einparkhilfe vorne, 8 Zoll Navigationssystem und ein Premium Audiosystem von KRELL zum Ausstattungsumfang. Optional stehen neben einer der 6 Metallicfarben für CHF 750.-, auch eine zweifarbige Lackierung für CHF 650.- und das elektrische Glasschiebedach für CHF 750.- zur Auswahl.
In der Serienausstattung rollt der Kona in einem Galactic Grau zum Händler. Alternativ stehen eine weisse, schwarze, blaue, gelbe und zwei rote Metalliclackierungen zur Auswahl. Der Innenraum kann entweder mit einem schwarzen oder einem grauen Interieur bestellt werden.

Fazit und Ersteindruck

Mit dem Kona electric ist Hyundai ein grosser Wurf im Bereich der Elektromobilität gelungen. Für einen vergleichsweise moderaten Verkaupfspreis erhalten die Kunden einen sehr gut ausgestatteten, gut verarbeiteten elektrischen Kompakt-SUV mit sportlichen Fahrleistungen und einer über alle Zweifel erhabenen Reichweite. Mit realistischen Reichweiten von 350 bis 400 Kilometer zeichnet sich der Kona als absolut alltagstauglich aus und überlässt einer möglichen Reicheitenangst keinen Raum mehr. Das Fahrverhalten ist durchwegs komfortabel. Im Sport-Modus reagiert der Kona sehr zackig auf Fahrpedaländerungen – für unseren Geschmack dürften die Wechsel aber etwas weicher erfolgen. Die Fahrmodi Eco und Komfort eigenen sich besser im Alltag und verrichten ihre Arbeit souveräner, denn der Kona hat zwar spritzige Fahrleistungen, sportliches Fahren liegt ihm konstruktionsbedingt aber weniger. Die Verarbeitung des Kona ist durchwegs gut. Die verwendeten Materialien im Innenraum machen im direkt sichtbaren Bereich einen qualitativ guten Eindruck. Nur im Fussbereich werden dann doch harte und zum Teil billige Materialien verbaut. Negativ aufgefallen ist uns einzig die schlechte Auflösung der Rückfahrkamera, der unharmonisch wirkende Sportmodus und der sehr kleine Kofferraum.
Wir würden den Kona in in der höheren Ausstattungsvariante Vertex empfehlen. Für die knapp CHF 5’000.- Aufpreis erhält der Kunde im Vergleich zur Ausstattungsvariante Amplia einen deutlichen Mehrwert. Als Alternative zum Kona electric bringt Kia nächstes Jahr mit dem Niro electric ebenfalls einen elektrischen Kompakt-SUV auf der gleichen Plattform wie der Kona auf den Markt. Neben der grossen Batterie mit einer Kapazität mit 64 kWh bietet Kia auch eine kleinere Batterie mit 39.2 kWh an. Das dürfte den Einstiegspreis dann doch deutlich drücken. Eine weitere Alternative im ähnlichen Preisrange wird nächstes Jahr sicherlich auch das Tesla Model 3 sein.

Beitrag teilen

Schreiben Sie einen Kommentar