KIA Optima SW Plug-In-Hybrid im Fahrbericht

KIA Optima Sportswagon Plug-In-Hybrid_1

Bei Plug-In-Hybrid Fahrzeugen scheiden sich die Geister. Die einen sehen ein Plug-In-Hybrid-Fahrzeug weder als Fisch noch Vogel, finden sie darum überflüssig und verweisen direkt auf reine Elektrofahrzeuge. Andere wiederum sehen den Plug-In-Hybrid Antrieb als Brückentechnologie und als ideales Gefährt in einer Übergangszeit bis voll ausgebaute Ladenetze samt einer grossen Auswahl an dazu passenden Elektrofahrzeugen vorhanden sind. In beiden Ansichten mögen sich gewiss Wahrheiten befinden. Wir sind der Meinung, dass auch Plug-In-Hybrid Fahrzeuge ihre Daseinsberechtigung haben. Denn im Vergleich zu herkömmlichen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor können mit einem Plug-In-Hybrid zumindest auch kürzere Strecken rein elektrisch absolviert werden. Je nach Fahrprofil und der möglichen elektrischen Reichweite des Plug-In-Hybrid Fahrzeugs können sogar die meisten alltäglichen Strecken rein elektrisch zurück gelegt werden. In dem noch sehr überschaubaren Angebot an vollwertigen Plug-In-Hybrid Fahrzeugen, haben wir uns den KIA Optima Sportswagon 2.0 GDI Plug-In-Hybrid ausgesucht und stellen ihn in diesem Artikel etwas genauer vor.

Technik und Fahrleistungen

KIA Optima Sportswagon Plug-In-Hybrid
KIA Optima Sportswagon Plug-In-Hybrid, © KIA

KIA verspricht für den Optima Sportswagon Plug-In-Hybrid eine elektrische Reichweite von bis zu 62 Kilometer – gemessen noch nach altem NEFZ Testzyklus. In der Realität sind unter idealen Bedingungen und mit zaghaftem Gasfuss sowie sparsamer Fahrweise 50 bis 55 Kilometer durchaus möglich. Im Winter bei Minusgraden und unter erschwerten Bedingungen kann jedoch immer noch mit rund 30 Kilometern gerechnet werden. Für die meisten Menschen die im Schnitt rund 30 bis 40 Kilometer am Tag zurück legen, sollte die elektrische Reichweite somit genügen. Wenn die elektrische Energie zu neige geht oder der Fahrer mehr Leistung abfordert, schaltet sich der Verbrennungsmotor ein. Im KIA Optima Sportswagon haben die Ingenieure dafür einen 2.0 Liter GDI-Benzinmotor mit Direkteinspritzung eingepflanzt. Das Vierzylinder-Aggregat liefert eine Leistung von 115 kW (156 PS) und ein Drehmoment von 186 Nm bei 5’000 U/Min.. Zusammen mit dem 50 kW starken Elektromotor liefert das Motoren-Duo eine Systemleistung von 151 kW (205 PS) und ein maximales Drehmoment von 375 Nm bereits bei niedrigen 2’330 U/Min.. Die Kraft wird per 6-Stufen-Automatikgetriebe an die Vorderräder abgegeben. So ausgestattet sprintet der KIA Sportswagon in manierlichen 9.7 Sekunden auf Tempo 100 und beschleunigt anschliessend auf die Höchstgeschwindigkeit von 192 km/h weiter. Bis 120 km/h kann rein der Elektromotor für den Vortrieb sorgen bevor bei höheren Geschwindigkeiten sich der Verbrenner dazu schaltet. Den Verbrauch gibt KIA mit 1.4 Litern pro 100 Kilometern an. In der Realität sind je nach Fahrsituation und Ladestand der Batterie Verbräuche von 3 bis 6 Liter pro 100 Kilometer möglich.
Ist die 11.3 kWh Lithium-Ionen-Polymer Batterie leer gefahren, kann sie an einer 3.7 kW Wallbox (Typ 2, einphasig, 230 V, 16 A) in 3 Stunden wieder voll geladen werden. Alternativ ist eine Aufladung auch an einer gewöhnlichen Haushaltssteckdose in rund 6 Stunden oder an jeder öffentlichen Typ-2-Ladesäule möglich. Das Tankvolumen umfasst 55 Liter Super Kraftstoff (Oktan 95) und ermöglicht zusammen mit einer vollgeladenen Batterie Reichweiten von weit über 800 Kilometer.
Leider erfüllt der KIA Optima Plug-In-Hybrid zurzeit nur die Abgasnorm Euro 6. Anfang 2019 liefert KIA den Optima Sportswagon Plug-In-Hybrid mit Partikelfilter aus und erfüllt dann die Abgasnorm Euro 6d-TEMP.

Aussendesign und Innenraum

KIA Optima Sportswagon Plug-In-Hybrid
KIA Optima Sportswagon Plug-In-Hybrid, © KIA

Das Aussendesign des KIA Optima Sportswagon wirkt für ein Fahrzeug eines Südkoreanischen Herstellers sehr europäisch. Kein Wunder, denn das Design prägt die Handschrift von Peter Schreyer – dem Chefdesigner der Hyundai Kia Automotive Group. Schreyer war früher bei Audi tätig und war dort unter anderem für das Design vom ersten Audi TT und dem Audi A2 verantwortlich. Unter Schreyers Feder entstanden bei KIA nebst dem Design für den Optima, auch die Formen von Soul, Cadenza und Venga. Für seine Kreationen wurde KIA seit seinem Amtseintritt 10 mal mit dem Red Dot Design Award ausgezeichnet. Der Optima Sportswagon zeichnet sich durch klare Linien und weiche Übergänge aus. Daneben verleihen scharf gezeichnete Akzente wie die seitlichen Lufteinlässe an der Front oder die weit in die Kotflügel ragenden LED-Scheinwerfer sowie die nach unten abfallende Motorhaube eine sportliche Note. Die in dieser Klasse übliche abfallende Dachlinie und der am Heck angedeutete und schwarz abgesetzte Diffusor unterstreichen dieses sportliche Auftreten des Südkoreaners zusätzlich noch. Die dreiecksförmigen Heckleuchten in LED Optik sind relativ weit oben angebracht und verschmälern dabei die Heckscheibe, was wiederum den sportlichen Anspruch weiter steigert. Die Front ziert ein aktiver Kühlergrill, der nur bei Bedarf geöffnet wird und Kühlluft in den Motorraum lässt. Ansonsten bleibt er zur Verbesserung der Aerodynamik geschlossen.

KIA Optima Sportswagon Plug-In-Hybrid
KIA Optima Sportswagon Plug-In-Hybrid, © KIA

Im Inneren findet sich die mittlerweile von KIA bekannte Innenraumlandschaft mit zentralem 8-Zoll-Touchscreen und der darunter liegenden 2-Zonen-Klimabedieneinheit. Apropos Bedienung. Im KIA findet sich der Fahrer bereits nach kurzer Eingewöhnungszeit zurecht, denn alle Schalter und Anzeigen sind klar gegliedert und der Erwartung entsprechend platziert. Die Instrumenteneinheit besteht aus einem analogen Energie-Meter und einem analogen Tachometer. Dazwischen befindet sich ein Farbdisplay das neben zahlreichen Fahrinformationen auch den Energiefluss des Hybrid-Systems darstellen kann. Zwei weitere analoge Zeiger informieren den Fahrer über den Batterie- sowie den Kraftstoffstand. Vor den Instrumenten findet der Fahrer ein Multifunktions-Sportlederlenkrad mit zahlreichen Tasten für die gängigsten Funktionen wie Medienwiedergabe, Tempomat, Sprachsteuerung oder Telefonie. In der Mittelkonsole thront der üppige und noch mechanisch zu bedienende Schalthebel, sowie weitere Tasten für Sitzheizung, Sitzkühlung, Lenkradheizung, elektrische Parkbremse und den Fahrprogrammen. Die restlichen Schalter sind auf der linken Seite unterhalb der Lüftungsdüsen platziert und steuern hauptsächlich die diversen Fahrassistenzsysteme. Die Frontpassagiere nehmen auf elektrisch verstellbare Ledersitze Platz und geniessen das üppige Raumangebot. Dieses luftige Gefühl wird durch das optionale Panoramaglasdach zusätzlich bekräftigt.
Das Gepäckabteil im Optima Sportswagon Plug-In-Hybrid umfasst 440 Liter und ist im Vergleich zum Optima Sportswagon mit reinem Verbrennungsmotor nur marginal kleiner. Eine leichte Erhöhung des Kofferraumbodens verrät die unter dem Kofferraumteppich verbaute Batterie. Mit umgeklappter zweiter Sitzreihe (40:20:40) vergrössert sich das Kofferraumvolumen auf 1’574 Liter und sollte einem Besuch bei IKEA auch stand halten.

Ausstattung

KIA Optima Sportswagon Plug-In-Hybrid
KIA Optima Sportswagon Plug-In-Hybrid, © KIA

Die Serienausstattung des KIA Optima Sportswagon Plug-In-Hybrid ist in der Schweiz sehr umfangreich und wird lediglich von den beiden einzig möglichen Optionen – einer Metallic-Farbe und dem Panoramaglasdach in die Schranken gewiesen. Zur Serienausstattung gehören unter anderem eine Zwei-Zonen-Klimaanlage, LED-Scheinwerfer mit Tagfahrlicht sowie Fernlichtassistent, LED-Rückleuchten, Parksensoren vorne und hinten, eine Rückfahrkamera mit 270 Grad Rundumsicht, eine automatische Parkhilfe, ein Spurhalteassistent, ein Totwinkelassistent mit Rückfahr-Querverkehrwarner, ein 8-Zoll Touchscreen mit Navigationssystem von TomTom und Apple CarPlay/Android Auto, DAB+ und ein Harman-Kardon-Soundsystem, elektrisch verstellbarer Fahrersitz mit Memory, Lederausstattung, heizbares Lederlenkrad, Sitzheizung vorne und hinten, Sitzlüftung vorne, adaptiver Tempomat, induktive Ladestation für Handys, elektrische Heckklappe, elektrisch verstellbare, beheizbare und einklappbare Aussenspiegel, Regen- und Lichtsensor und noch vieles mehr.
KIA hat die Kundenbedürfnisse auch verstanden und ein paar pfiffige Details eingebaut. Unter anderem verfügen die hinteren Türen über einfahrbare Sonnenschutzrollos zum Schutz der kleinen Passagieren vor direkter Sonneneinstrahlung. Ein weiteres nützliches Detail ist die Möglichkeit, die Klimaanlage nur für die Fahrerseite zu aktivieren um damit Energie zu sparen.
Den Optima Sportswagon Plug-In-Hybrid gibt es in sieben verschiedenen Aussenfarben: zwei verschiedene Silbertöne, weiss, graphit grau, schwarz, blau und rot. Als weitere Extras stehen ein Typ2 Ladekabel, eine abnehmbare Anhängerkupplung, Bodenteppiche oder ein Dachträger zur Auswahl.

KIA Optima Sportswagon Plug-In-Hybrid
KIA Optima Sportswagon Plug-In-Hybrid, © KIA

Für den bereits Top ausgestatteten Optima Sportswagon Plug-In-Hybrid ruft KIA einen Verkaufspreis von CHF 50’450.- auf. Eine Metallic-Lackierung schlägt mit CHF 850.- zu Buche und das Panoramaglasdach ist für einen Aufpreis von CHF 1’750.- zu haben. Für das Typ2 Ladekabel verlangt KIA CHF 380.- und für die Anhängervorrichtung sind CHF 1’655 fällig.

Fahreindruck

KIA Optima Sportswagon Plug-In-Hybrid
KIA Optima Sportswagon Plug-In-Hybrid, © KIA

Der Optima Sportswagon Plug-In-Hybrid wird per Startknopf gestartet. Wobei Starten etwas übertrieben ist, denn der Verbrennungsmotor bleibt zu Beginn stumm. Beim Starten werden nur die Systeme hochgefahren. Dem Fahrer stehen zwei Fahrmodi zur Verfügung. Das Fahrzeug kann entweder im Hybridmodus oder im reinen Elektromodus bewegt werden. Letzterer ist der Standard-Fahrmodus für den Optima Plug-In-Hybrid. Im reinen Elektromodus gleitet der Optima leise surrend über die Strassen. Das Drehmoment von 205 Nm des Elektromotors sorgen für einen spritzigen Start und eine gute Beschleunigung um schnell im Verkehr mit zu schwimmen. Sobald der Fahrer seinen Fuss vom Gaspedal löst, verlangsamt das Fahrzeug nur leicht. Um eine stärkere Rekuperation zu erzielen, muss das Bremspedal leicht gedrückt werden und erst beim noch stärkeren Betätigen des Bremspedals wird zusätzlich die mechanische Bremse zum Verzögern verwendet. Um den genauen Druckpunkt für reines Rekuperieren oder für eine zusätzliche Verzögerung mit Unterstützung der mechanischen Bremse zu erwischen, bedarf es einer gewissen Übung. Als visuelle Hilfe reicht der Blick auf das Energie-Meter um den genauen Fahrzustand zu kennen. Dem Optima Sportswagon fehlen leider die aus anderen Plug-In-Hybrid Fahrzeugen bekannten Schaltpaddels um die Stärke der Rekuperation einzustellen. Ebenfalls fehlt ein Save Fahrmodus um die Energie der Batterie zum Beispiel für eine spätere Stadtfahrt aufzusparen, oder ein Auflademodus um die Batterie mittels Motorkraft aufzuladen. Im Hybridmodus übernimmt das System diese Aufgabe und leitet automatisch überschüssige Motorkraft als Energie in die Batterie. Die beim Rekuperieren entstehende Energie wird jedoch immer in die Batterie geführt.
Die relativ leichtgängige Lenkung passt ideal zum Charakter des Optima Sportswagon Plug-In-Hybrid und vermittelt dem Fahrer dennoch ein gewisses direktes Lenkgefühl. Insgesamt ist der Optima Plug-In-Hybrid aber kein sportliches Auto und verleitet dem Fahrer auch nicht zu sehr sportlichen Fahrweisen. Dazu fehlt ihm einerseits dann doch die nötige Kraft und andererseits ist der Verbrennungsmotor bei höheren Drehzahlen relativ laut. Das Fahrwerk bietet einen sehr guten Komfort ohne dabei zu schwammig zu wirken. Eine gewisse sportliche Abstimmung haben die Ingenieure dem Optima Plug-In-Hybrid dann doch noch in die Wiege gelegt. Der Fahrer wird das einfache und unkomplizierte Fahren im KIA Optima sehr schnell schätzen und dabei auch merken, dass die Emotionen dabei nicht auf der Strecke bleiben müssen. Denn emotionslos wie so manch anderes Auto fährt es sich in diesem Plug-In-Hybrid bei weitem nicht.

Fazit

In der Summe macht der KIA Optima Sportswagon Plug-In-Hybrid eine sehr gute Figur, und ist sowohl für die Kurzstrecke wie auch für längere Strecken gemacht. Dank einer elektrischen Reichweite von über 50 Kilometer können mit ihm die meisten alltäglichen Strecken elektrisch zurück gelegt werden. Das Hybrid-System funktioniert dabei völlig problemlos und für den Fahrer kaum spürbar. Dank diesem effektiven Hybrid-Systems können auf Langstrecken sogar Verbräuche von Dieselfahrzeugen erzielt werden. Wer sich ein Plug-In-Hybrid Fahrzeug für rund CHF 50’000 zulegen möchte, der kommt aktuell um den KIA Optima Sportswagon nicht herum. Eine klare Kaufempfehlung also!

Technische Daten

Länge4'855 mm
Breite2'120 mm
Höhe1'470 mm
Radstand2'805 mm
Kofferraumvolumen440 bis 1'574 Liter
VerbrennungsmotorVierzylinder 2.0 GDI mit 115 kW (156 PS) und 189 Nm bei 5'000 U/Min.
AbgasnormEuro 6
ElektromotorPermanentmagnet-Synchronmotor mit 50 kW und 205 Nm
Systemleistung151 kW (205 PS) bei 6'000 U/Min. / max. 375 Nm bei 2'330 U/Min.
Beschleunigung 0 bis 100 km/h9.7 Sek.
Höchstgeschwindigkeit192 km/h
Höchstgeschwindigkeit rein elektrisch120 km/h
BatterieLithium-Ionen-Polymer mit 11.3 kWh
elektrische Reichweite NEFZ62 km

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1 thought on “KIA Optima SW Plug-In-Hybrid im Fahrbericht”

  1. Wir freuen uns sehr in einigen Wochen der Kia Optima Sportswagon fahren zu können und somit alles in unserer Nähe voll elektrisch Zu fahren 👍👍👍👍

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