Ökobilanz der elektrischen B-Klasse im Vergleich zur Benzinvariante

In den letzten Monaten gab es in den Medien viele Berichte über die Ökobilanz von Elektroautos. Meistens wurden dazu Studien zitiert, die ein eingeschränktes Sichtfeld auf einen Aspekt der Umweltbilanz haben. Beispielsweise fanden sich Artikel über eine schwedische Studie in fast allen Newskanälen. Die effektiven Resultate der schwedischen Meta-Studie wurden dabei jedoch selten aufgegriffen. Vielmehr wurden schlecht recherchierte journalistische Aussagen über die bei der Batterieproduktion anfallenden hohen CO2 Emissionen wiedergegeben, ohne sich überhaupt mit dem Studieninhalt befasst zu haben. Die jüngste Studie der Freien Universität Brüssel zeigt ein differenziertes Bild der Umweltbilanz von Elektroautos. Die Autoren kommen zum Schluss, dass sogar mit dem gegenwärtigen Stromproduktions-Mix in Europa ein Elektroauto, über den ganzen Lebenszyklus betrachtet, im Vergleich zu einem herkömmlichen Dieselfahrzeug besser abschneidet. An der Studie wird mitunter kritisiert, dass der Vergleich mit einem herkömmlichen Dieselfahrzeug zu ungenau sei. Es ist also höchste Zeit sich dieser Kritik zu stellen und einen Vergleich von Äpfeln mit Äpfeln vorzunehmen. Glücklicherweise hat die Abteilung Umweltgerechte Produktentwicklung von Mercedes-Benz bereits im 2014 einen entsprechenden Vergleich auf Basis der elektrischen B-Klasse mit der Benzinvariante B180 vorgenommen.

Bei ihrer Untersuchung haben sich die Mitarbeiter von Mercedes-Benz den ganzen Lebenszyklus der Fahrzeuge angesehen, um eine möglichst exakte Abbildung der Realität auf die Ökobilanz zu erhalten. So wurde nicht nur die Materialherstellung, die Produktion und der Recycling-Prozess sondern auch der gesamte Energiebedarf und die Schadstoffbelastung während der Nutzung analysiert. Für die Nutzungsphase wurde nicht nur die nötige Energie zur Stromherstellung sondern auch die Herstellung des Kraftstoffes sowie der Transport von der Raffinnerie zur Tankstelle berücksichtigt. Ein weiterer Vorteil ihrer Untersuchung entspringt dem Umstand, dass beide Fahrzeuge auf der identischen Produktionsstrasse im Mercedes-Werk in Raststatt gefertigt werden, und die Produktionsaufwände wie beispielsweise der Strombedarf somit gut vergleichbar sind.

Die elektrische B-Klasse verursacht bis zu 64 Prozent weniger CO2-Emissionen als die Benzinvariante

Gegenüberstellung der Kohlendioxid-Emissionen der elektrischen B-Klasse Electric Drive im Vergleich zu der Benzinvariante B 180, © Daimler AG

Während des gesamten Lebenszyklus mit einer Nutzung über 160.000 Kilometer verursacht die elektrische B-Klasse 24 Prozent (oder 7,2 Tonnen bei EU Strom-Mix) respektive 64 Prozent (oder 19 Tonnen bei Strom aus Wasserkraft) weniger CO2-Emissionen als die Benzinvariante. Die elektrische B-Klasse verursacht bei der Herstellung zwar eine höhere Menge Kohlendioxid-Emissionen, kann dafür aber während der Nutzungsphase dank der hohen Effizienz diesen zu Beginn anfallenden Nachteil wieder mehr als wettmachen. Die höheren Emissionen bei der Herstellung sind der alternativen Antriebskomponenten, insbesondere der Batterie geschuldet.

Neben den Kohlendioxid-Emissionen hat die Studie auch die Auswirkungen auf das Treibhauspotenzial (GWP), das photochemische Oxidantienbildungspotenzial (POCP, oder auch als Sommersmog bekannt), die Überdüngung (EP) sowie das Versauerungspotenzial (AP) untersucht. Beim Treibhauspotential und beim Sommersmog schneidet die elektrische B-Klasse besser ab. Wird zudem in der Nutzungsphase hauptsächlich Strom aus Wasserkraft verwendet, fällt dieser Unterschied noch deutlicher aus. Bei der Überdüngung hängt das Ergebnis vom eingesetzten Strom ab. Kommt Strom aus Wasserkraft zum Einsatz, schlägt sich die elektrische B-Klasse besser. Beim Versauerungspotential schneidet die Benzinvariante der B-Klasse besser ab. Bereits die Herstellung der alternativen Antriebskomponenten schlägt sich in einem leicht höhen Versauerungspotential nieder als der gesamte Lebenszyklus des B180 betrachtet. Es wurden noch zahlreiche weitere Parameter auf die Ökobilanz analysiert. Details dazu finden sich direkt in der Studie.

Ausgewählte Ergebnisparameter elektrische B-Klasse im Vergleich zur Benzinvariante B 180, © Daimler AG

95 Prozent der elektrischen B-Klasse können wiederverwendet werden

Bereits bei der Entwicklung der elektrischen B-Klasse wurde ein Recyclingkonzept erstellt, dank dessen eine stoffliche Recyclingfähigkeit von 85 Prozent und eine Verwertbarkeit von 95 Prozent erreicht werden konnte. Darüber hinaus wurde mit Tesla, dem Lieferanten der Lithium-Ionen-Batterie, auch die Recyclingprozedur sowie die Wiedergewinnung der wertvollen Inhaltsstoffe definiert

Nachhaltigkeit spielte aber nicht nur bei der Verwertung der elektrischen B-Klasse eine Rolle. Auch bei der Entwicklung sollten Bauteile aus nachhaltig gewonnen Stoffen hergestellt werden um so den Anteil fossiler Rohstoffe zu senken. Bei der elektrischen B-Klasse werden 72 Bauteile aus hochwertig rezyklierten Kunststoffen oder aus Naturmaterialien hergestellt.

Fazit

Durch den Elektroantrieb können bei der B-Klasse die Gesamtemissionen deutlich reduziert werden. Im Vergleich zu einem B 180 mit Benzinmotor ergeben sich folgende Einsparungen:

  • Über den gesamten Lebenszyklus werden die CO2-Emissionen um 64 Prozent bei Stromgewinnung aus Wasserkraft reduziert
  • Über den gesamten Lebenszyklus werden die CO2-Emissionen um 24 Prozent bei Stromgewinnung im EU-Mix reduziert.
  • Die höheren CO2-Emissionen bei der Herstellung werden deutlich überkompensiert.
  • Der Erdölverbrauch wird um 87 % (EU Strom-Mix) bzw. 90 % (Strom aus Wasserkraft) reduziert.
  • Insgesamt wird der fossile Ressourcenverbrauch gegenüber dem Benziner deutlich um 32 % (EU Strom-Mix) bzw. 66 % (Strom aus Wasserkraft) reduziert.

Wer sich für eine elektrische B-Klasse interessiert, findet bei econaut einen guten Erfahrungsbericht. Leider läuft die Produktion des B250e Ende Jahr aus.

 

Beitrag teilen