Tesla Semi Truck und andere elektrische Lkw

Am 16. November wird Tesla nach mehrmaligem Verschieben definitiv den elektrischen Lkw vorstellen. Die von Elon Musk mehrmals erwähnte Produktionshölle im Rahmen der fortschreitenden Produktion des Model 3 zeigt sich auch an anderer Stelle wieder. Bisher hat Tesla lediglich die Silhouette des Trucks veröffentlicht. Zwischenzeitlich ist jedoch einem Internet-User gelungen, den Truck in freier Wildbahn aufgeladen auf einem Hänger  zu fotografieren.

Viele Informationen gibt es noch nicht über den Semi Truck, der, wie es der englische Begriff „semi“ andeutet, nur Hänger ohne eigene Frontachse zieht. Die Reichweite wird zwischen 320 und 480 Kilometer liegen. Da auch eine Schlafkabine fehlt, wird der Truck vorerst wohl nur auf Kurzstrecken eingesetzt werden. Längst ist Tesla jedoch nicht mehr alleine im Bereich der elektrischen Lkw. Andere Hersteller waren bei der Präsentation sogar schneller.

Ab 16. November wissen wir deutlich mehr. Wir sind gespannt auf die offizielle Präsentation und geben heute bereits einen Übersicht über die elektrischen Lkw anderer Hersteller.

Mercedes-Benz

Elektro Lkw Urban eTruck
Elektro Lkw Urban eTruck, © Mercedes-Benz

Daimler hat den Mercedes-Benz Elektro-Lkw bereits 2016 an der IAA vorgestellt. Die Basis der überarbeiteten und für den Testbetrieb vorbereiteten Version liefert ein schwerer dreiachsiger Verteiler-LKW von Mercedes-Benz. Der Verbrennungsmotor samt Antriebsstrang musste einem neuen Antriebskonzept mit elektrischen Komponenten an der Hinterachse weichen. Die Elektromotoren befinden sich direkt  neben den Radnaben. Diese Technik konnte in abgeänderter Form von den Citaro Hybrid Busse übernommen werden. Die Maximalleistung beläuft sich auf 2x 125 Kilowatt sowie auf ein Drehmoment von 2x 500 Nm. In Verbindung mit der Übersetzung erreicht das Drehmoment am Rad 11’000 Nm. Drei Batteriemodule liefern zusammen eine Energie von 212 kWh und ermöglichen eine Reichweite von bis zu 200 Kilometer und sollen für typische Tagestouren im Verteilerverkehr genügen. Neben der Elektrifizierung liefert der Truck auch Neuerungen bei der künftigen Anzeige- und Bedientechnik samt nützlichem Tablet sowie neuer Telematik. Die vorausliegende Strecke samt Fahrtipps sowie die spezifischen Kundenbedürfnisse sind für den Fahrer jederzeit ersichtlich.

Da die EU-Kommission die Erhöhung des zulässigen Gesamtgewichts für Lkw mit Alternativantrieb um eine Tonne erhöht, kann das nötige Zusatzgewicht der neuen Komponenten zum grossen Teil abgefangen werden. Das zulässige Gesamtgewicht des Mercedes-Benz Elektro-Lkw steigt damit auf 26 Tonnen.

Daimler und Mitsubishi Fuso Truck and Bus Corporation

E-FUSO Vision One
E-FUSO Vision One, © Daimler AG

Mit der neuen Marke E-Fuso wollen Daimler und Mitsubishi gemeinsam im Bereich der elektrischen Lkw Erfolge verbuchen. An der Motorshow in Tokio wurde dafür der schwere vollelektrische Lkw E-Fuso Vision One vorgestellt. Mit einem Gesamtgewicht von rund 23 Tonnen und einer Zuladung von 11 Tonnen ist der neue Truck die ideale elektrische Lösung für schwere Güter im innerstädtischen Verkehr. Mit einer Batteriekapazität von 300 kWh ist eine Reichweite von bis zu 350 Kilometer möglich. Der Vision One soll in 4 Jahren erhältlich sein. Der leichte eCanter – ein vollelektrischer Serien-Lkw für den leichten Verteilerverkehr – ist bereits auf den Strassen unterwegs.

E-Force One AG

E-Force One E18
E-Force One E18, © E-Force One AG

Das Unternehmen mit Sitz in Beckenried hat schon zwei elektrische Lkw im Angebot. Mit dem E18 bringen die Schweizer einen elektrischen Lkw der 18 Tonnen Klasse auf Basis eines Iveco Stralis auf die Strasse. Der 8 Tonnen schwere Lkw bietet 10 Tonnen Nutzlast für Aufbau und Ladung. Für den Antrieb sorgen zwei wassergekühlte Synchron-Elektromotoren mit einer maximalen Leistung von 300 Kilowatt und einem maximalen Drehmoment von 630 Nm, und beschleunigen den Truck auf elektronisch limitierte 87 km/h. Die nötige Energie liefern zwei Batteriemodule mit je 120 Kilowattstunden. Mit einem Verbrauch von 60 bis 100 kWh pro 100km sind Reichweiten von bis zu 300 Kilometer möglich. Die beiden Batterien sollen in 6 Stunden geladen sein. Alternativ können die Batterien auch in nur 5 Minuten gewechselt werden.

E-Force One E44
E-Force One E44, © E-Force One AG

Der zweite elektrische Lkw ist ein Sattelschlepper und basiert ebenfalls auf einen Iveco Stralis. Der Truck hat eine maximale Leistung von 550 Kilowatt und ein maximales Drehmoment an der Kardanwelle von 4’060 Nm. Übertragen wird die Kraft mittels eines automatisierten 2-Gang Getriebes. Maximal sind 44 Tonnen Gesamtgewicht möglich. Bei der Batteriegrösse kann der Kunde zwischen 120 kWh bis 310 kWh wählen. Mittels Schnellladung ist die mittlere Batteriegrösse (190 kWh) in unter 2 Stunden geladen. Als Reichweite sind je nach Batteriegrösse und Einsatzzweck bis zu 300 Kilometer möglich.

Gemäss Hersteller sollen beide Elektro-Lkw bereits bei einer Laufleistung ab 50’000 Kilometer wirtschaftlicher sein, als vergleichbare Diesel-Lkw.

Futuricum

Futuricum Collect 26E
Futuricum Collect 26E, © Futuricum

Unter dem Namen Futuricum entwickelt und produziert die Designwerk GmbH gemeinsam mit namhaften Partnern wie das Schweizer Bundesamt für Energie saubere Logistiklösungen. Für ihren ersten elektrischen LKW liefert Volvo das Chassis und Batteriewerk die Akkus. Der elektrische Lkw hat ein Gesamtgewicht von 26 Tonnen. Die zwei verbauten Batterien mit insgesamt 270 kWh Energie sollen eine Reichweite von bis zu 300 Kilometer ermöglichen. Vier Elektromotoren liefern zusammen 560 Kilowatt Leistung und beschleunigen den Truck stufenlos auf 85 km/h. Mittels eines Off Board Charger soll eine Vollladung in zwei Stunden möglich sein. Zu den ersten Kunden gehört die Stadt Thun die das Fahrzeug ab Frühjahr 2018 bei der Kehrrichtabfuhr in der Thuner Innenstadt einsetzen wird.

Nikola Motor Company und Bosch

Nikola One
Nikola One, © Nikola Motor Company

In Zusammenarbeit zwischen der Nikola Motor Company und Bosch sollen zwei vollelektrische Lkw entstehen. Der Nikola One sowie der kleinere Bruder Nikola Two. Die elektrischen Komponenten wie das Achsantriebssystem aus Elektromotor, Getriebe und Leistungselektronik stammt von Bosch. Das deutsche Unternehmen hilft ebenfalls bei der Entwicklung der Brennstoffzellentechnik mit. Bis 2020 sollen die ersten Kunden beliefert werden. Die Leistungsdaten klingen vielversprechend: 1’000 PS, 2’700 Nm Drehmoment und bis zu 1’900 Kilometer Reichweite. Bestückt ist der Truck neben der Brennstoffzelle mit einer 320 kWh grosse Batterie. Der Wasserstofftank soll in nur 15 Minuten wieder voll sein. Als Verkaufsförderung verspricht Nikola sogar gratis Wasserstoff für 1.6 Millionen Kilometer zu jedem neuen Truck. Das grösste Problem jedoch ist die noch nicht vorhandene Fabrik für die Fertigung der elektrischen Trucks. Dies soll jedoch durch eine Investition von einer Milliarde US Dollar durch den Gründer und CEO Trevor Milton sichergestellt werden und soll dann ein Produktionsvolumen von jährlich 50’000 Lkw ermöglichen. Als Stückpreis werden aktuell rund 330’000 US Dollar genannt.

Cummins

Cummins Aeos
Cummins Aeos, © Cummins

Der US-Motorenhersteller Cummins hat bereits einen ersten E-Truck vorgestellt. Der Cummins Aeos ist ein Schwerlast-Sattelschlepper für Hänger von bis zu 22 Tonnen. Mit einer Akkuladung sollen jedoch nur rund 160 Kilometer möglich sein. Der nur 140 Kilowatt grosse Akku soll jedoch in nur 20 Minuten vollgeladen sein. Um die Reichweite weiter zu erhöhen, soll es auch eine Variante mit Range Extender geben, die dann bis zu 480 Kilometer ermöglichen. Schon 2019 soll der Aeos erhältlich sein.

MAN eTruck

MAN eTruck
MAN eTruck, © MAN

Auch der bekannte Lastwagenhersteller MAN entwickelt den ersten elektrischen Lkw. Dieser neue eTruck wurde erstmals an der IAA 2016 der Öffentlichkeit präsentiert. Geplant ist die Einführung der Elektromobilität im mittleren und schweren Verteilerverkehr von 12 bis 26 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht. In einer ersten Phase wird der eTruck Ende 2017 in der Praxis von verschiedenen Lebensmittelhändlern, einer Brauerei und dem Automobilhersteller Magna Steyr sowie weiteren erprobt.  Ab Ende 2018 ist die Fertigung einer Kleinserie durch Magna Steyer geplant. Die Serienproduktion soll 2021 beginnen.

 

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