Unsere elektrische B-Klasse von Mercedes

Unser Mercedes Benz B250e

Im Beitrag „wie alles begann“ ist zu lesen, wie sich unsere Einstellung zu nachhaltiger Mobilität und Energie durch den Kauf eines Elektroautos verändert hat. Zahlreiche weitere Massnahmen später können wir mit Hilfe der Sonnenergie unseren Strombedarf am Tag decken, unser Warmwasser erzeugen und im Sommer unseren Tesla laden. In dieser kleinen nachhaltigen Welt passte aber unser zweites Auto nicht mehr so recht hinein. Als eine Spezis von Öl hungrigen Dinosaurier verlangte es noch nach regelmässigen Tankstellenstopps. Und wer möchte noch Zeit fürs Betanken eines Verbrenners mit stinkendem Treibstoff aufwenden, wenn es mit einem Elektroauto viel einfacher und vor allem klimafreundlicher geht? Wir nicht.

So kam es wie es kommen musste und der Seat Ibiza musste unsere neu aufgebaute klimafreundliche Welt verlassen. Das beste Angebot für den Nachfolger fanden wir bei Mercedes. Die elektrische Variante der B-Klasse, die es auch als Verbrenner und als Erdgasvariante gibt, führte seit der Lancierung Mitte 2014 jedoch nur ein sehr stiefmütterliches Dasein in der grossen Mercedes Welt. Der Wagen wurde weder stark vermarktet noch schien er reissenden Absatz zu generieren. Mittlerweile wurde dieser tristen Entwicklung Einhalt gewährt und die letzten Fahrzeuge laufen Ende 2017 vom Band.

Die elektrische Mercedes B-Klasse hatte nie eine Chance auf Erfolg

Was ging schief? War das Auto einfach nicht gut genug?

Mercedes Benz B-Klasse B250e
© Mercedes Benz AG – B250e

Wie die anderen und erfolgreichen Varianten der B-Klasse mit Verbrennungsmotor, fährt sich auch die elektrische Version wie ein typischer Mercedes und bietet neben grosszügigen Platzverhältnissen auch eine Mercedes kennzeichnende Verarbeitungsqualität. Die Erfolglosigkeit muss also an anderer Stelle liegen. Aus Sicht von Mercedes könnte man gewagt sein zu behaupten, dass die elektrische B-Klasse nur für eine Aufgabe gebaut wurde. Sie sollte dem Konzern beim Einhalten der strengeren CO2 Grenzwerte helfen, da sie als Elektrofahrzeug den Flotten-CO2-Ausstoss deutlich senken kann. Gleichzeitig durfte sie die eigenen Geschwister aber nicht kannibalisieren. Natürlich wollte Mercedes zu Zeiten einer Beteiligung an Tesla sicher auch erste Erfahrungen mit einem in Serie produzierten Elektrofahrzeug sammeln. Durch die Partnerschaft lieferte Mercedes unter anderem Bauteile der Lenkung und konnte anderseits eine Batterie und den Antriebsstrang von Tesla verbauen. Der elektrischen B-Klasse wurden so eine 28kWh Batterie samt gewöhnlichem 11 kW Bordlader  von Tesla spendiert. In Summe ergibt dies eine Reichweite von 200 Kilometer.

Die Attribute für ein erfolgreiches Elektrofahrzeug fehlen

Mercedes Benz B-Klasse B250e
© Mercedes Benz AG – B250e

Fürs Papier und dem NEFZ Fahrzyklus mögen die mit der B-Klasse erzielbaren Werte reichen. Im Alltag zeigen sich aber schnell die Defizite der verbauten Komponenten. Die elektrische B-Klasse besitzt ein schlechtes Batteriemanagementsystem und kann mit der bescheidenen Batteriegrösse nicht haushalten. Der im Farbprospekt angegebene Stromverbrauch von 16.6 kWh pro 100 Kilometer ist in der Realität nicht zu schaffen. Auch im Eco+ Modus, dem sparsamsten der drei zur Verfügung stehenden Fahrstufen, sind Verbräuche von 19 kWh nur mit sehr vorsichtiger Fahrweise und mit einer Höchstgeschwindigkeit von 90km/h möglich. Im Winter schaltet sich zudem noch die überaus energiehungrige Batterieheizung dazu und zwingt die mögliche Reichweite mit Verbräuchen von 23 kWh bis 24 kWh/100km endgültig in die Knie. Mit unserem Tesla Model X sind Verbräuche von 18 kWh bis 19 kWh problemlos möglich – und das bei einem um eine Tonne schwereren Fahrzeug. Der finale Todesstoss für ein erfolgreiches Elektrofahrzeug wird der B-Klasse vom verbauten Bordlader verpasst. Anstatt eines Schnellladers mit einer Leistung von beispielsweise 50kW wurde ein einfacher und günstiger 11kW Lader verbaut. Auf Langstrecken müssen so  Ladepausen von knapp drei Stunden eingeplant werden. Das ist selbst für eingefleischte Elektroenthusiasten zu viel. So sind am Ende die grossen Flügel der elektrischen B-Klasse gestutzt und ihr bleiben nur noch kleine Luftsprünge übrig. Die Fahrer hingegen träumen ab den tollen Fahreigenschaften von weiten Flügen hoch oben zwischen den Wolken.

Richtig eingesetzt ist der B250e ein tolles Auto

Wer ein Elektrofahrzeug für Strecken von maximal 130 bis 150 Kilometer am Tag sucht und dabei weitestgehend auf Langstrecken verzichten kann, der bekommt mit der elektrischen B-Klasse ein tolles Auto. Die elektrische B-Klasse sieht nicht nur wie ein vollwertiges Auto aus, sie fühlt sich auch so an. Und mit ihren guten Fahreigenschaften, wie beispielsweise einer Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in knapp unter 8 Sekunden, sind auch schnellere Fahrten möglich. Doch Vorsicht! Mit einer solchen Fahrweise sinkt die Restreichweite im Sekundentakt. Ein weiteres Highlight sind die Schaltpaddels hinter dem Lenkrad. Mit ihnen lässt sich die Rekuperation in drei Stufen verstellen. Bei der stärksten Rekuperation verzögert das Auto beim Loslassen des Gaspedals so stark, dass ein Fahren ähnlich wie beim Tesla nur mit dem Gaspedal möglich ist. Mit der dritten Stufe schaltet sich die Rekuperation vollständig aus und das Auto gleitet quasi im Leerlauf dahin. Nach kurzer Eingewöhnungszeit funktioniert das Umschalten der Stufen wie von selbst, und die Motivation mit Hilfe der Fahrstufen möglichst sparsam zu fahren steigt stetig an. Wer diese Aufgabe lieber einem Computer überlässt kann auch die Automatik aktivieren. Mithilfe eines Frontradars versucht der Computer die Stufen so zu wählen, dass das Auto möglichst lange im Gleitmodus gehalten werden kann. Dieses System funktioniert zwar relativ zuverlässig, der Fahrer muss jedoch das Bremspedal häufiger treten.

Bei der Bestellung kann die elektrische B-Klasse mit einer Range-Plus Option in Form einer Taste in der Mittelkonsole geordert werden. Wird die Taste vor dem Ladevorgang gedrückt, wird die Batterie zu 100% geladen und die Reichweite erhöht sich dadurch um bis zu 30 Kilometer. Um die Lebensdauer der Batterie zu schonen, sollte eine vollständige Ladung aber nur sporadisch durchgeführt werden.

Wie jedes Elektrofahrzeug besitzt auch die elektrische B-Klasse eine Standheizungsfunktion. Im Winter kann vorgeheizt und im Sommer gekühlt werden. Mittels der Mercedes me App funktioniert diese Einstellung auch aus der Ferne. Die B-Klasse besitzt eine eingebaute SIM-Karte und ist so immer online. Die Kosten für diesen Mobildienst werden in den ersten drei Jahren von Mercedes getragen. Mit der App lässt sich das Fahrzeug auch verriegeln/entriegeln, und es lassen sich viele Informationen wie der aktuelle Ladestand, der Reifendruck sowie der Zustand der Bremsbeläge, der Bremsflüssigkeit und des Wischwassers ablesen.

Wir sind mit unserem B250e sehr zufrieden und haben auch schon eine längere Strecke von 320 Kilometer an einem Tag absolviert. Wenn eine Ladung am Zielort möglich und genügend Zeit vorhanden sind, dann sind auch Ziele im Umkreis von 160 bis 200 Kilometer (Range Plus) durchaus möglich. Alles in allem ist sie für unseren Einsatzzweck ein ideales Elektrofahrzeug. Im Vergleich zur Benzinvariante der B-Klasse weist die elektrische Version eine viel bessere Ökobilanz auf. Hierzu haben wir einen spannenden Bericht erstellt.

Januar 2018

Es gibt Neuigkeiten. Nach einigem Hin und Her haben wir uns einen weiteren Tesla bestellt. Das bedeutet nun natürlich, dass unsere B-Klasse einen neuen Besitzer sucht. Alle weiteren Informationen findet ihr in einem eigenen Beitrag.

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